So viel in der Kunstgeschichte über die Differenz von Bild und Text oder Bild und Sprache geschrieben oder gesprochen wurde, so selten waren die Versuche, diese Differenz aufzulösen und sich konkret für eine andere Ordnung des Visuellen zu öffnen. Der Kunsthistoriker Aby M. Warburg versuchte es gegen Ende seines Lebens.
Die aktuelle «Bildwissenschaft» ist auf der Suche nach Möglichkeiten der bildimmanenten Archivierung durch visuelle Kriterien — im Unterschied zur Unterwerfung der Bilder unter eine alphanumerische Verschlagwortung. Teilweise visionär, teilweise verwirrt wurde Warburg so zu einer Identifikationsfigur derer, die Bilder heute neu zu ordnen suchen und sein Bilderatlas «Mnemosyne» wurde zum Inbegriff des Versuchs, Bilder in eine neue Ordnung zu überführen.